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Bettina Zimmermann

Kaltnadelradierung und experimentelle Druckgrafik

Rhythmus und Verdichtungen

Kaltnadelradierung von Bettina Zimmermann mit abstrakten Linienstrukturen aus der Serie Rhythmus der Natur

Zwischen Linie und Stille

Bettina Zimmermann ist Künstlerin, Druckgrafikerin und Illustratorin aus Nordhessen. Ihre Arbeiten entstehen als Kaltnadelradierungen, Zeichnungen und experimentelle Druckgrafik. Im Mittelpunkt stehen Rhythmus, Verdichtung und die Frage, wie sich Wahrnehmung durch Linie, Material und Raum verändert.

Im Zentrum meiner Arbeit steht Rhythmus als grundlegendes Prinzip von Wahrnehmung, Bewegung und Struktur. Mich interessiert nicht die Darstellung eines Motivs, sondern wie sich aus Linie, Spur, Wiederholung und Materialreaktion Bildräume entwickeln, die Wahrnehmung zwischen Erkennen, Offenheit und Auflösung in Bewegung halten. Natur erscheint in meinen Kaltnadelradierungen und zeichnerischen Arbeiten nicht als Motiv, sondern als Zustand, als System von Bewegungen, das sich in Linien, Strukturen und Zwischenräumen manifestiert.

Die Arbeiten entstehen seriell. Wiederholung dient nicht der Wiederholung selbst, sondern der Verschiebung. Durch kleinste Veränderungen in Verdichtung, Linie und räumlicher Beziehung entstehen neue Wahrnehmungssituationen. Die Arbeiten sind Erfahrungsräume, in denen Bewegung, Zeit und Material sichtbar werden, ohne sich auf eine eindeutige Lesbarkeit festzulegen.

Die Werkgruppen umfassen Kaltnadelradierungen, Zeichnungen und experimentelle Druckgrafik. Gemeinsam ist ihnen das Interesse an der Linie als Träger von Bewegung, Erinnerung und räumlicher Wahrnehmung.

Zur Technik

Ausgangspunkt meiner künstlerischen Arbeit ist die Technik der Kaltnadelradierung. Mit der Radiernadel wird in PE beschichtetes Abdeckpapier geritzt, Farbe in die Riefen eingerieben und der Überschuss wieder abgewischt. Es entsteht kein Druck. Das Abdeckpapier selbst ist das Werk.

Die Entscheidung, nicht zu drucken, ist konzeptuell. Mich interessiert nicht die Reproduktion, sondern die Herstellung einer unwiederholbaren Oberfläche. Durch wiederholtes Ritzen, Einreiben und Überlagern entstehen dichte Oberflächen, die den Verlauf ihrer Entstehung sichtbar tragen. Lichter werden herausgekratzt, Tiefen nachgezogen. Der Prozess hat kein festes Ende. Er wird abgebrochen, nicht abgeschlossen.

Je nach Lichteinfall und Standpunkt treten Linien, Verdichtungen und Spuren hervor oder ziehen sich zurück. Das Erscheinungsbild ist nicht stabil. Was aus der Distanz als Rhythmus und räumliches Feld erscheint, wird in der Nähe zu materiellem Eingriff, Schleifspur und Verdichtung. Wahrnehmung erscheint dabei als etwas Bewegliches, das sich mit Zeit, Aufmerksamkeit und Position verändert.

Detailaufnahme einer Kaltnadelradierung von Bettina Zimmermann mit eingeritzten Linien, Verdichtungen und bearbeiteter Oberfläche.